Die Playstation 3 ist ja nicht arm an exklusiven Franchises und speziell 2011 war das Jahr der dritten Teile exklusiver Sonynummern. Neben Killzone und dem Superzugpferd Uncharted gab es auch das Ende der Trilogie des Widerstands gegen die außerirdischen Aggressoren in Resistance 3. Das Spiel bringt die Geschichte um die Invasion der Erde zwischen den 1930er Jahren und Ende der Fünfziger zu einem würdigen Ende.
Ich mag insbesondere, dass sich trotz zweier vorangegangener Teile die Situation für die wenigen Überlebenden auf der Welt noch weiter zugespitzt hat. Spielten die ersten beiden Teile noch im Abwehrkampf Großbritanniens gegen die übermächtigen Chimera aus dem Osten, so steht in Teil drei der ganz persönliche Kampf des Protagonisten Joseph Capelli gegen die Zombies-durch-Virus-Alienhybriden an.
Dieser ist ein Mann mit Facetten und Emotionen, Ehefrau und Kind trotz oder gerade aufgrund dieser in Spielen selten genutzten Klischeeanhäufung. Er ist als Charakter damit anderen Spielprotagonisten an Immersionsmöglichkeit deutlich überlegen. Nicht falsch verstehen, er ist immer noch meilenweit von einer Trip aus Enslaved – Odyssey to the West entfernt, aber er ist zumindest kein typisch eindimensionaler Stumpfi.
Joe Capelli ist ein Veteran der Kämpfe in Großbritannien, versucht sich aber zu Beginn des Spiels als treusorgender Familienvater. Natürlich zwingen ihn die Umstände, trotzdem wieder zur Waffe zu greifen (Wer kennt es nicht!). Seine unterirdische Siedlung wird anfangs von Chimeraspähern angegriffen. Ab hier nimmt die Story ihren Lauf, die Capelli bis nach New York führen wird.
Dass die Hintergrundgeschichte der Reihe eine überdeutliche Allegorie auf den Sowjet-Kommunismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts darstellt, muss hier sicher nur den unbedarfteren LeserInnen nahegebracht werden. Die Darstellung und vielfach eher Zuspitzung der „Roten Gefahr aus dem Osten“ als physisch übermächtige und insbesondere technisch überlegene Lebensform, die so kategorisch anders ist, dass sie außerirdischen Ursprungs sein muss und auch noch wildeste tierische Elemente in sich birgt, entspricht ganz sublimen Angst- und Untergangsmetaphoriken, die die antikommunistische Propaganda im Amerika der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts einen nicht zu unterschätzenden Eindruck auf die bürgerliche Mehrheitsgesellschaft und damit insbesondere auf deren kulturelle Ausdrucksweisen genommen hat. Genau diesen Metaphoriken steht der männliche, weiße Familienvater als Errettermotiv gegenüber, der eigentlich nur sich und seinesgleichen heroisch und ohne Murren verteidigt.
Aus diesen Überlegungen heraus ist das Setting dann auch wenig überraschend. Die Bildsprache der Lebenwirklichkeit der kleinbürgerlichen Bevölkerung der USA in den Fünfziger Jahren ist genau in dem dezenten Maße vorhanden, dass sich in Verbindung mit Artdesign der Landschaften und der Beleuchtung(!) eine großartige Atmosphäre aufbaut, ohne dass mensch das Gefühl hat, die EntwicklerInnen wollten mit einem Schild mit leuchtenden Pfeilen drum herum darauf hinweisen, dass hier der amerikanische Traum in Trümmern liegt. Es ist durchaus erfrischend zu sehen, dass hier den Spielenden zugestanden wird, auf so was selbst zu kommen. Man nimmt es so dem Spiel wirklich ab, dass hier ein entvölkertes Kriegsgebiet bespielt wird, in dem Menschen deutlich Wichtigeres zu tun haben, als sich um die Vorgartenpflege zu kümmern, nämlich Überleben!
Dies nutzt sich leider im Fortlauf der Geschichte ab, je weiter sich das Geschehen in urbane Räume und schlussendlich in die Domäne des Alien-Terraformers verlagert. Diese übertechnisierten, dabei aber völlig leblosen Innenrauminszenierungen von Alienraumschiffen sehen eigentlich in so ziemlich jedem Spiel gleich (langweilig) aus. Somit ist die erste Hälfte des Spiels die atmosphärische Dichtere, Bessere.
Auf eine tiefer gehende (aber durchaus lohnenswerte) Interpretation des Weges von einer wehrhaften ländlich-konservativen Idylle hin zu untergegangenen entvölkert-toten Metropolarealen, die am Washington Square(!) im New York als Zentrum des bürgerlich-libertären Denken und Seins der USA kulminieren, hab ich aus Gründen an dieser Stelle keine Lust.
Erwähnenswert ist noch, dass es in Resistance 3 einige Anlehnungen, vielleicht sogar Hommagen an andere Genrevertreter gibt. So spielt sich ein Abschnitt in einem moralisch wie sozial aus den Fugen geratenen Gefängniskomplex wie ein Mini-Bioshock. Die zur Schau gestellte Verrohung der ehemaligen Insassen sorgt neben den sporadischen Audiotransmissionen eines Nebencharakters und Meldungen aus Radiogeräten, die von Kampfhandlungen in aller Welt berichten, für ein Rapture-artiges Gefühl. Eine andere Sequenz ist eine deutliche Reminiszenz an Ravenholm aus Halflife 2. In einer verlassenen Bergarbeiterstadt muss zunächst ein Pater gefunden werden, der allein auf die Jagd nach einem Monster namens Satan gegangen war. Die Stadt ist beklemmend dunkel, eng und zombieverseucht, der Weg führt wie im Vorbild von Valve dann auch hinab in eine Mine.
Trotz der eher stumpfen politischen Implikationen des Settings haben mir Atmosphäre und Storytelling von Resistance 3 und besonders das großartige Waffendesign einiges an Vergnügen bereitet. Soviel gutes Beiwerk zu ordentlicher Aufsmauligkeit ist selten!
Resistance 3 (2011) von Insomniac Games, gespielt auf PS3, gekauft als Adventskalenderangebot bei GameFlop für 19,95€
